Mieterausbau Ablauf (7 Phasen)

Wie läuft ein Mieterausbau im Büro ab? Die 7 Phasen Schritt für Schritt — mit Zeitrahmen, Kosten-Genauigkeit und typischen Fehlern pro Phase.

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Wie läuft ein Mieterausbau im Büro ab? Die 7 Phasen Schritt für Schritt — mit Zeitrahmen, Kosten-Genauigkeit und typischen Fehlern pro Phase.

Kurz gesagt: Ein Mieterausbau im Büro durchläuft sieben Phasen: Bedarfsklärung, Konzeption, Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Vergabe, Bauausführung und Übergabe. Die Gesamtdauer liegt bei 12–20 Wochen für mittlere Projekte. Die wirtschaftlich entscheidenden Phasen sind Ausführungsplanung (4) und Vergabe (5) — hier wird über 70 Prozent der späteren Endkosten festgelegt.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden Leitfadens zum Mieterausbau im Büro.

Warum ein strukturierter Ablauf entscheidend ist

In der Praxis sehen wir immer wieder dasselbe Muster: Eigentümer oder Asset Manager überspringen die ersten Planungsphasen, weil "es schnell gehen muss" — und zahlen am Ende massiv drauf. Die HOAI § 34 nennt mit ihren Leistungsphasen 1 bis 9 nicht zufällig eine sequenzielle Reihenfolge. Jede Phase legt die Grundlage für die nächste; wer eine überspringt oder unsauber abarbeitet, baut sich das Fundament für spätere Mängel, Nachträge und Verzögerungen.

Die folgenden sieben Phasen sind die operative Verdichtung der neun HOAI-Leistungsphasen auf das, was im Mieterausbau wirklich passiert. Sie orientieren sich an den Standards des AHO-Heft Nr. 9 für Projektsteuerung in der Bau- und Immobilienwirtschaft.

Phase 1: Bedarfsklärung und Mieter-Briefing

Dauer: 1–2 Wochen · HOAI-Bezug: LPH 1 (Grundlagenermittlung)

Bevor irgendetwas geplant wird, muss klar sein, was der Mieter wirklich braucht. Das klingt selbstverständlich, wird in der Praxis aber häufig übersprungen — mit der Folge, dass entweder zu viel verbaut wird (Kosten explodieren) oder zu wenig (Mieter unzufrieden, Nachforderungen kommen später).

Was in der Bedarfsklärung definiert werden muss:

  • Nutzeranzahl und Arbeitsplatztypen

  • Anteil offene vs. geschlossene Bereiche

  • Besprechungsräume und Sonderflächen (Empfang, Küche, Lager)

  • IT-Anforderungen (Server-Räume, Anschlussdichte, Smart-Building-Standard)

  • Akustik- und Klimaanforderungen

  • Brandschutz und Barrierefreiheit nach Arbeitsstättenverordnung

Output dieser Phase: Dokumentiertes Nutzerprofil als Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.

Typischer Fehler: Den ersten Wunschzettel des Mieters ungefiltert übernehmen — das produziert teure Überausstattung.

Phase 2: Konzeption und Vorentwurf

Dauer: 2–3 Wochen · HOAI-Bezug: LPH 2 (Vorplanung)

Auf Basis des Bedarfs wird ein erstes räumliches Konzept entwickelt. Im Bürokontext geht es hier um Zonierung (Open Space, Fokuszonen, Kollaborationszonen), Wegeführung, Lichteinfall, Akustikplanung und das grundlegende Materialkonzept.

Parallel werden erste Kostenrahmen kalkuliert — typischerweise als Grobkostenermittlung nach DIN 276 auf Basis von Kennzahlen aus der BKI-Baukostendatenbank oder eigenen Erfahrungswerten.

Output dieser Phase: Vorentwurfsplanung mit Zonierungskonzept und Grobkostenermittlung.

Kosten-Genauigkeit: ±20–25 Prozent

Typischer Fehler: Sich zu früh auf ein konkretes Design festlegen, bevor die Wirtschaftlichkeit geklärt ist.

Phase 3: Entwurfs- und Genehmigungsplanung

Dauer: 2–4 Wochen · HOAI-Bezug: LPH 3–4 (Entwurfs- und Genehmigungsplanung)

Der Vorentwurf wird zu maßstabsgerechten Plänen konkretisiert. Wo Genehmigungen erforderlich sind (Brandschutz, Statik bei tragenden Eingriffen, Sondernutzungen), werden diese parallel vorbereitet und eingereicht.

Im Mieterausbau ist diese Phase oft komprimiert, weil tragende Eingriffe selten sind und die meisten Maßnahmen genehmigungsfrei innerhalb des Bestands erfolgen. Trotzdem dürfen Brandschutz nach Musterbauordnung, Fluchtwege, Versammlungsstättenrecht und die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung nicht unterschätzt werden — gerade bei Open-Space-Konzepten, großen Besprechungsräumen und Sonderbereichen.

Output dieser Phase: Genehmigungspläne und Entwurfsplanung mit verfeinerter Kostenberechnung.

Kosten-Genauigkeit: ±15 Prozent

Typischer Fehler: Brandschutzfragen unterschätzen — kann zu kompletten Re-Planungen in späteren Phasen führen, mit Mehrkosten von 30.000–80.000 Euro.

Phase 4: Ausführungsplanung und Leistungsverzeichnis

Dauer: 3–5 Wochen · HOAI-Bezug: LPH 5–6 (Ausführungsplanung und Vergabevorbereitung)

Die Ausführungsplanung ist der wirtschaftlich wichtigste Schritt im gesamten Prozess. Hier werden alle Bauteile, Materialien und Mengen detailliert beschrieben — die Grundlage für jede seriöse Vergabe.

Wer in dieser Phase spart, zahlt in der Vergabe doppelt: Unklare oder unvollständige Leistungsverzeichnisse führen zu pauschalen Aufschlägen der Anbieter (typischerweise 10–15 Prozent), zu Nachträgen während der Bauphase (oft weitere 5–10 Prozent) und am Ende zu Streit bei Abnahme und Schlussrechnung.

Output dieser Phase: Detaillierte Ausführungspläne und vollständiges Leistungsverzeichnis pro Gewerk.

Kosten-Genauigkeit: ±5–8 Prozent

Typischer Fehler: Phase verkürzen mit der Begründung "die Subunternehmer wissen schon, was gemeint ist" — führt verlässlich zu Nachträgen.

Diese Phase und die folgende Vergabe (Phase 5) legen zusammen rund 70 Prozent der späteren Endkosten fest. Hier lohnt sich maximale Sorgfalt — und genau hier scheitern die meisten Eigenregie-Projekte.

Phase 5: Ausschreibung und Vergabe

Dauer: 3–5 Wochen · HOAI-Bezug: LPH 7 (Mitwirkung bei der Vergabe)

Auf Basis des Leistungsverzeichnisses werden die Gewerke ausgeschrieben — entweder als Generalunternehmer-Vergabe, als Gewerke-Einzelvergabe oder als Hybridmodell.

Im privaten Bereich gelten keine zwingenden formellen Vergabevorschriften — anders als bei öffentlichen Auftraggebern, die nach VOB/A ausschreiben müssen. Trotzdem orientieren sich professionelle Projektsteuerer in der Praxis an VOB-Standards, weil sie für faire, vergleichbare Vergaben sorgen.

Diese Vergabe-Entscheidung ist eine der wirtschaftlich folgenreichsten im gesamten Projekt. Wir behandeln sie ausführlich im Cluster Generalunternehmer vs. Einzelvergabe beim Mieterausbau — kurz gesagt: Die Einzelvergabe spart in der Praxis 15–20 Prozent gegenüber der GU-Vergabe.

Output dieser Phase: Verträge mit ausführenden Firmen, finale Bausummen-Festlegung.

Kosten-Genauigkeit: nach Vergabe verbindlich (Festpreise pro Gewerk)

Typischer Fehler: Nur ein Angebot pro Gewerk einholen oder zu schnell zuschlagen — verschenkt 5–10 Prozent Verhandlungsspielraum.

Phase 6: Bauausführung und Bauleitung

Dauer: 4–12 Wochen · HOAI-Bezug: LPH 8 (Objektüberwachung)

Die eigentliche Bauphase. Entscheidend ist die kontinuierliche Bauleitung — also die fachliche Überwachung, ob das Gebaute auch dem Geplanten entspricht. Bei Generalunternehmer-Vergabe übernimmt das nominal der GU; bei Einzelvergabe ist das die Aufgabe des Projektsteuerers.

Was die Bauleitung in dieser Phase macht:

  • Wöchentliche oder tägliche Baustellenkontrolle

  • Kontrolle der Ausführungsqualität gegen die Pläne

  • Schnittstellenmanagement zwischen den Gewerken

  • Termin-Überwachung und Eskalation bei Verzug

  • Dokumentation des Baufortschritts (Bautagebuch)

  • Prüfung und Freigabe von Abschlagsrechnungen

Ein häufiger Fehler: Eigentümer verzichten aus Kostengründen auf eine externe Bauleitung und überlassen die Qualitätssicherung dem ausführenden Unternehmen. Das ist wirtschaftlich fast immer ein Verlustgeschäft, weil Qualitätsmängel später in der Mängelbeseitigung teurer werden als die eingesparte Bauleitung.

Output dieser Phase: Fertige Bauleistung, Bautagebuch, Mängellisten und Prüfprotokolle.

Typischer Fehler: Externe Bauleitung weglassen — spart 3–6 Prozent der Bausumme, kostet erfahrungsgemäß das Mehrfache an Mängelbeseitigung.

Phase 7: Übergabe, Abnahme und Mängelmanagement

Dauer: 1–2 Wochen · HOAI-Bezug: LPH 8–9 (Objektüberwachung und -betreuung)

Mit der Bauabnahme geht die Verantwortung formell vom ausführenden Unternehmen auf den Bauherrn über. Die Abnahme ist juristisch ein entscheidender Akt — ab hier laufen die gesetzlichen Gewährleistungsfristen nach § 634a BGB (5 Jahre bei Bauwerken, 2 Jahre bei beweglichen Sachen), ab hier gilt das Bauwerk als vertragsgemäß erbracht.

Eine saubere Übergabe an den Mieter erfolgt typischerweise in zwei Stufen:

  1. Technische Bauabnahme (Eigentümer ↔ ausführende Firmen)

  2. Mieterübergabe (Eigentümer ↔ Mieter) mit eigenem Protokoll

Beide Übergaben sollten dokumentiert und protokolliert werden — am besten mit Fotos zu jedem Raum und Bereich. Eine ausführliche Anleitung zum Übergabe- und Mängelmanagement finden Sie im Cluster Mieterausbau-Übergabe: Abnahme, Mängelmanagement und Beweislast.

Output dieser Phase: Abnahmeprotokoll, Mängelliste mit Behebungsfristen, finale Schlussrechnung.

Typischer Fehler: Abnahme ohne strukturiertes Protokoll und ohne Fotodokumentation — schwächt spätere Mängelansprüche massiv.

Die 7 Phasen im Überblick — Zeit und Kosten-Genauigkeit

Phase

Bezeichnung

Dauer

Kosten-Genauigkeit

HOAI-Bezug

1

Bedarfsklärung

1–2 Wochen

LPH 1

2

Konzeption / Vorentwurf

2–3 Wochen

±20–25 %

LPH 2

3

Entwurfs- / Genehmigungsplanung

2–4 Wochen

±15 %

LPH 3–4

4

Ausführungsplanung & LV

3–5 Wochen

±5–8 %

LPH 5–6

5

Ausschreibung & Vergabe

3–5 Wochen

Festpreise

LPH 7

6

Bauausführung & Bauleitung

4–12 Wochen

verbindlich

LPH 8

7

Übergabe & Abnahme

1–2 Wochen

finale Schlussrechnung

LPH 8–9


Gesamt

16–33 Wochen



Hinweis: Phasen können sich teilweise überlappen — etwa lässt sich die Vergabe einzelner Gewerke schon beginnen, während die Ausführungsplanung anderer Gewerke noch läuft. Im Schnitt ergibt sich daraus eine reale Gesamtdauer von 12–20 Wochen für mittlere Projekte.

Was passiert, wenn Phasen übersprungen werden?

Die häufigsten Verkürzungen und ihre wirtschaftlichen Konsequenzen — basierend auf unserer Projektpraxis:

  • Bedarfsklärung übersprungen → Nachforderungen und Re-Planungen während Bauphase (+5–10 % Mehrkosten)

  • Vorplanung verkürzt → Kosten explodieren in der späteren Detailplanung (+3–7 %)

  • Genehmigungsplanung oberflächlich → Brandschutz-Nachbesserungen (+30.000–80.000 € absolut)

  • Ausführungsplanung verkürzt → Aufschläge in der Vergabe und Nachträge in der Bauphase (+10–20 %)

  • Vergabe ohne Vergleichsangebote → 5–10 % Mehrkosten gegenüber wettbewerblicher Vergabe

  • Bauleitung weggelassen → Mängel und Verzögerungen, die das Mehrfache der Einsparung kosten

  • Abnahme oberflächlich → Gewährleistungsansprüche schwer durchsetzbar, Mängel landen beim Eigentümer

In Summe: Jede übersprungene oder verkürzte Phase generiert im Schnitt 3–7 Prozent Mehrkosten am Ende. Wer drei Phasen verkürzt, verliert leicht 15 Prozent der ursprünglichen Bausumme — das sind bei einem 1-Mio-Projekt 150.000 Euro.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert ein typischer Mieterausbau? Für mittlere Projekte (500–1.500 m² Büro): 12–20 Wochen. Davon entfallen 4–8 Wochen auf Planung und Vergabe, 6–12 Wochen auf die eigentliche Bauausführung, 1–2 Wochen auf Übergabe.

Welche Phasen sind am wichtigsten für die Kostenkontrolle? Phase 4 (Ausführungsplanung) und Phase 5 (Vergabe). Zusammen legen sie über 70 Prozent der späteren Endkosten fest.

Kann ich Phasen überspringen, wenn es schnell gehen muss? Theoretisch ja, praktisch fast immer ein Verlustgeschäft. Jede übersprungene Phase generiert 3–7 Prozent Mehrkosten am Ende.

Wer steuert die Phasen — der Bauherr selbst oder ein externer Projektsteuerer? Bei Projekten unter 100.000 € Bausumme oft der Bauherr selbst. Ab 100.000 € lohnt sich praktisch immer ein externer Projektsteuerer (3–8 Prozent Honorar).

Was ist der Unterschied zwischen den HOAI-Leistungsphasen und den 7 Mieterausbau-Phasen? Die HOAI nennt 9 Leistungsphasen für allgemeines Bauen. Die 7 Mieterausbau-Phasen verdichten diese auf die operative Realität von Innenausbau-Projekten — weniger Genehmigungsaufwand, dafür mehr Fokus auf Detail-Planung und Schnittstellen.

Wann startet die Gewährleistungsfrist? Mit der Bauabnahme in Phase 7. Ab hier laufen die Fristen nach § 634a BGB: 5 Jahre für Bauwerke, 2 Jahre für bewegliche Sachen.

Kann man Phasen parallel laufen lassen, um Zeit zu sparen? Ja, in Grenzen. Vergabe einzelner Gewerke kann beginnen, während die Ausführungsplanung anderer Gewerke noch läuft. Wichtig ist nur, dass die abhängigen Phasen vollständig abgeschlossen sind, bevor das Folgegewerk in die Vergabe geht.

Quellen

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Ja – RESO kann phasenweise oder punktuell unterstützen. Ob Planung, Investitionsbewertung, Projektsteuerung oder Umsetzung: Wir steigen genau dort ein, wo klare Entscheidungen, belastbare Zahlen und steuerbare Abläufe gebraucht werden – als Vollpartner oder als Verstärkung.

Unterstützt RESO auch bei komplexen Bestandsimmobilien?

Ja. Ein Großteil unserer Arbeit betrifft ältere oder technisch anspruchsvolle Gebäude. Wir analysieren Zustand, Risiken und Potenziale und entwickeln klare Maßnahmen, um Betriebskosten zu senken und die Immobilie langfristig zu stabilisieren.

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