Generalunternehmer vs. Einzelvergabe beim Mieterausbau

GU oder Einzelvergabe beim Mieterausbau? Praxis-Kostenvergleich, Entscheidungsmatrix und ein realer Berliner Case mit 35.000 € Ersparnis.

Generalunternehmer vs. Einzelvergabe beim Mieterausbau

GU oder Einzelvergabe beim Mieterausbau? Praxis-Kostenvergleich, Entscheidungsmatrix und ein realer Berliner Case mit 35.000 € Ersparnis.

Kurz gesagt: Bei der Einzelvergabe von Gewerken sparen Eigentümer im Mieterausbau typischerweise 15–20 Prozent gegenüber der Generalunternehmer-Vergabe — also schnell 30.000 bis 200.000 Euro je nach Projektgröße. Voraussetzung sind ein vollständiges Leistungsverzeichnis und eine professionelle Steuerung.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden Leitfadens zum Mieterausbau im Büro.

Worum es bei dieser Entscheidung wirklich geht

Die Entscheidung GU vs. Einzelvergabe wird in der Praxis erstaunlich oft aus Bauchgefühl getroffen. Bei einem typischen 1.000-m²-Mieterausbau macht der Unterschied schnell 100.000–200.000 Euro aus — das ist eine substanzielle Investitionsentscheidung, die wie eine solche behandelt werden sollte.

Was bedeutet „Generalunternehmer-Vergabe"?

Der Bauherr beauftragt ein einziges Unternehmen mit der vollständigen Erbringung der Bauleistung. Rechtlich basiert das auf dem Werkvertrag nach §§ 631 ff. BGB.

Vorteile: Ein Vertragspartner, ein Festpreis, eine Gewährleistungsadresse, geringe Koordinationspflichten.

Was bedeutet „Einzelvergabe"?

Jedes Gewerk wird separat ausgeschrieben — Trockenbau, Elektro, HLS, Boden, Decke, Maler. Professionelle Projekte orientieren sich an VOB/A.

Vorteile: Mehrere Vertragspartner, Einzelpreise, deutlich niedrigere Gesamtkosten, volle Transparenz.

Der reale Vergleich — ein Berliner Bürohaus, 480 m²

Frühjahr 2024, mittelständischer Beratungs-Mieter, Bestandsbürohaus in Berlin. GU-Angebot: 200.000 € netto (417 €/m²).

Position

GU-Angebot

Einzelvergabe

Differenz

Trockenbau / Trennwände

48.000 €

39.500 €

−8.500 €

Elektroinstallation

36.000 €

28.200 €

−7.800 €

Heizung / Lüftung / Sanitär

41.000 €

33.000 €

−8.000 €

Bodenbelag

22.000 €

17.800 €

−4.200 €

Decke / Beleuchtung

18.000 €

14.500 €

−3.500 €

Maler / Lackierer

11.000 €

8.400 €

−2.600 €

Türen / Sonderausstattung

14.000 €

11.500 €

−2.500 €

Bauleitung / Koordination

enthalten

7.100 €

+7.100 €

Bausumme netto

200.000 €

160.000 €

−40.000 €

RESO-Honorar

5.000 €

+5.000 €

Gesamtkosten

200.000 €

165.000 €

−35.000 €

17,5 Prozent Ersparnis bei identischem Ausbau-Standard.

Warum kommt die Differenz zustande?

  1. Pauschalrisiko-Aufschlag — 8–12 Prozent für GU-Risikoübernahme

  2. Marge und Overhead des GU — 6–10 Prozent für Koordination und Verwaltung

  3. Reduzierter Wettbewerb auf Sub-Ebene — GU nutzt eingespielte Subunternehmer, statt 3 Vergleichsangebote

In Summe 15–22 Prozent strukturelle Differenz.

Was kostet die Steuerung dazwischen?

Typische Honorare für Projektsteuerung, orientiert an HOAI § 34:

Projekt-Bausumme

Honorar Projektsteuerung

Honorar in %

Bis 100.000 €

4.000–8.000 €

4–8 %

100.000–300.000 €

8.000–20.000 €

5–8 %

300.000–700.000 €

18.000–45.000 €

5–7 %

700.000–1.500.000 €

35.000–90.000 €

4–6 %

Ab 1.500.000 €

individuell

3–5 %

Ab ca. 100.000 € Bausumme rechnet sich die Einzelvergabe wirtschaftlich.

Wann lohnt sich welches Modell? Eine Entscheidungs-Matrix

Kriterium

GU besser

Einzelvergabe besser

Projektgröße

< 80.000 €

> 100.000 €

Bauerfahrung des Bauherrn

wenig oder keine

vorhanden / externer Projektsteuerer

Zeitliche Verfügbarkeit

sehr knapp

normal bis ausreichend

Standardisierungsgrad

hoher Wiederholungsgrad

individuell, mieterspezifisch

Risikobereitschaft

sehr niedrig

mittel

Wirtschaftlicher Druck

sekundär

primär

Anzahl beteiligter Gewerke

< 5

> 6

Wie funktioniert eine Einzelvergabe in der Praxis? Sieben Schritte

  1. Vollständiges Leistungsverzeichnis erstellen

  2. Bieterkreis definieren — pro Gewerk drei bis fünf qualifizierte Firmen

  3. Strukturierte Ausschreibung mit Vergabekriterien

  4. Angebotsvergleich auf Augenhöhe — Einzelpositionen, nicht nur Endpreise

  5. Vergabegespräche und finale Verhandlung — 3–8 % Nachlass realistisch

  6. Vergabe und Vertragsschluss — klare Termine, Zahlungspläne, Vertragsstrafen

  7. Bauleitung und Koordination — tägliche oder wöchentliche Überwachung

Risiken der Einzelvergabe — und wie sie sich beherrschen lassen

Risiko 1: Schnittstellenprobleme zwischen Gewerken. Beherrschung: zentrale Schnittstellenplanung vor Baubeginn.

Risiko 2: Ausfall einzelner Subunternehmer. Beherrschung: Bonitätsprüfung, Backup-Bieter aus der Ausschreibung griffbereit.

Risiko 3: Gewährleistungs-Lücken. Beherrschung: detaillierte Abnahmeprotokolle, gewerkeweise Funktionsprüfung. Fristen nach § 634a BGB gelten unverändert pro Vertrag.

Risiko 4: Mehraufwand für den Bauherrn. Beherrschung: externer Projektsteuerer, der sich aus der eingesparten Bausumme refinanziert.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist die GU-Vergabe wirklich die bessere Wahl?

Bei kleinen Projekten unter 80.000 € Bausumme, hochstandardisierten Ausbauten (Filialgeschäft), sehr knappem Zeitbudget oder ohne Bau-Erfahrung und ohne Projektsteuerer.

Wer übernimmt bei Einzelvergabe die Gewährleistung?

Jeder Subunternehmer einzeln. Fristen nach § 634a BGB: 5 Jahre bei Bauwerken. Voraussetzung: ordentliche, gewerkeweise dokumentierte Abnahme.

Was kostet ein externer Projektsteuerer?

3–8 % der Bausumme, abhängig von Größe und Komplexität. Bei 300.000 € Bausumme: 18.000–25.000 €. Amortisiert sich mehrfach durch wettbewerbliche Vergabe.

Wie viele Gewerke umfasst ein typischer Büro-Mieterausbau?

8–15 Gewerke: Trockenbau, Elektro, HLS, Boden, Decke, Maler, Türen, Glas, Schließanlage, IT, Akustik, Brandschutz.

Was passiert, wenn ein Subunternehmer ausfällt?

Zweitplatzierter aus der Ausschreibung übernimmt. Selten bei sorgfältiger Bonitätsprüfung vor Vergabe.

Lässt sich ein vergebener GU-Auftrag noch auf Einzelvergabe umstellen?

Theoretisch ja, praktisch meist nicht mehr wirtschaftlich. Nur sinnvoll, wenn Vertrag noch nicht unterschrieben ist.

FAQs

Wir beantworten Ihre Fragen

Noch Fragen zu unseren Leistungen oder Prozessen?
Melden Sie sich gern – wir unterstützen Sie bei jedem Schritt.

Was macht RESO anders als klassische Projektsteuerer?

Klassische Projektsteuerung verwaltet Abläufe – RESO steuert Wirkung. Wir liefern nicht nur Protokolle und Terminpläne, sondern klare Empfehlungen mit Zahlen, Szenarien und Konsequenzen. Dadurch entstehen klare Entscheidungen, weniger Reibungsverluste und mehr Sicherheit bei Kosten, Terminen und Qualität.

Für welche Immobilien eignet sich RESO?

RESO ist besonders stark dort, wo Bestandsimmobilien mehr sind als “Bauen im Bestand”: wenn Technik, Nutzung, Betrieb und langfristige Strategie gleichzeitig entschieden werden müssen. Genau dort sorgt RESO für entscheidungsreife Grundlagenund eine steuerbare Umsetzung.

Können wir RESO auch für einzelne Projektphasen beauftragen?

Ja – RESO kann phasenweise oder punktuell unterstützen. Ob Planung, Investitionsbewertung, Projektsteuerung oder Umsetzung: Wir steigen genau dort ein, wo klare Entscheidungen, belastbare Zahlen und steuerbare Abläufe gebraucht werden – als Vollpartner oder als Verstärkung.

Unterstützt RESO auch bei komplexen Bestandsimmobilien?

Ja. Ein Großteil unserer Arbeit betrifft ältere oder technisch anspruchsvolle Gebäude. Wir analysieren Zustand, Risiken und Potenziale und entwickeln klare Maßnahmen, um Betriebskosten zu senken und die Immobilie langfristig zu stabilisieren.

Kontakt

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Ob technisches Management, Projektsteuerung oder strategische Planung – wir unterstützen Sie dort, wo Sie uns brauchen. Schreiben Sie uns eine kurze Nachricht und wir melden uns zeitnah zurück.

Unser Büro

Schlüterstraße 73, 10625 Berlin

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